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5. November 2026 ·

Was ist Specialty Coffee? Die 80-Punkte-Grenze erklärt

Was ist Specialty Coffee? Die 80-Punkte-Grenze erklärt

„Specialty Coffee“ steht auf immer mehr Kaffeetüten, Cafés und sogar Supermarktregalen. Ein leeres Werbewort ist es nicht: Hinter dem Begriff stehen eine Definition, ein Bewertungssystem und eine ganze Kette von Menschen, von der Farm bis zur Rösterei. Dieser Ratgeber erklärt, was Specialty Coffee bedeutet, wie Kaffee zu dieser Einstufung kommt und wie er schmeckt.

Die kurze Definition

Specialty Coffee ist Kaffee, der bei einer Bewertung durch geschulte Verkoster (Q-Grader) nach dem Protokoll der Specialty Coffee Association (SCA) 80 oder mehr von 100 Punkten erreicht und dessen Rohkaffee nahezu keine Defekte hat. Alles unter 80 Punkten gilt als Konsum- oder Handelsware, daraus wird der meiste Supermarktkaffee gemacht. Cafendo zieht dieselbe Grenze: Wenn wir Specialty sagen, meinen wir Kaffee im Bereich ab 80 SCA-Punkten.

Wie Kaffee bewertet wird

Der Rohkaffee

Bevor jemand probiert, wird eine Probe von 350 Gramm grünem, ungeröstetem Kaffee von Hand geprüft. Für Specialty-Qualität sind keine primären Defekte erlaubt (etwa ganz schwarze oder saure Bohnen oder Fremdkörper) und nur wenige sekundäre Defekte wie gebrochene, von Insekten beschädigte oder unreife Bohnen. Außerdem muss der Kaffee auf eine stabile Restfeuchte getrocknet sein.

Das Cupping

Danach wird der Kaffee hell geröstet und standardisiert verkostet, beim sogenannten Cupping: Gemahlener Kaffee zieht in Schalen, wird gerochen und dann vom Löffel geschlürft. Bewertet werden unter anderem Duft und Aroma, Geschmack, Abgang, Säure, Körper, Balance, Süße, Gleichmäßigkeit und Sauberkeit. Grobe Orientierung für die Gesamtpunktzahl:

PunkteBedeutung
90–100Herausragend: selten, oft kleine Partien und Wettbewerbskaffees
85–89,99Exzellent: eigenständige, komplexe Kaffees
80–84,99Sehr gut: sauber, süß, Specialty-Qualität
unter 80Keine Specialty-Qualität

Die SCA arbeitet an einem neueren Bewertungssystem, das Kaffees ausführlicher beschreibt, doch die 80-Punkte-Grenze bleibt die übliche Kurzformel für Specialty.

Was Specialty Coffee anders macht

  • Rückverfolgbarkeit. Meist kennst du Land, Region und oft auch Farm, Kooperative oder Waschstation, Varietät, Höhenlage und Aufbereitung. Vergleiche die Angaben auf unseren Herkunftsseiten.
  • Frische. Specialty-Röstereien drucken ein Röstdatum auf und rösten in kleinen Chargen. Siehe gute Kaffeebohnen erkennen.
  • Hellere Röstungen. Nicht immer, aber oft: Eine hellere Röstung bewahrt die Aromen von Herkunft und Aufbereitung, statt sie mit Röstgeschmack zu überdecken. Mehr unter Röstgrade.
  • Geschmack. Guter Specialty Coffee schmeckt süß und klar, mit deutlicher Säure und Noten von Schokolade und Karamell bis zu Beeren, Zitrus und Blüten, ganz ohne Zucker oder Milch.
  • Preise für die Erzeuger. Specialty-Partien werden meist deutlich über dem Börsenpreis bezahlt, viele Röstereien veröffentlichen, was sie gezahlt haben. Manche arbeiten im Direkthandel; Siegel wie Fairtrade oder Bio sind von der Qualitätsbewertung unabhängig. Mehr unter Kaffeesiegel.

Specialty Coffee und die „Third Wave“

Den Begriff „Specialty Coffee“ prägte die amerikanische Kaffeehändlerin Erna Knutsen in den 1970er-Jahren für Bohnen aus besonderen Mikroklimata. Heute wird er oft mit der „dritten Welle“ verbunden: der Bewegung, die Kaffee wie Wein behandelt, mit Blick auf Farm, Varietät, Röstung und Zubereitung. Mehr dazu unter die drei Wellen des Kaffees.

Woran du Specialty Coffee beim Kauf erkennst

  • Ein Röstdatum, nicht nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum.
  • Herkunft bis zur Region oder Farm, dazu Varietät, Aufbereitung und Höhe.
  • Geschmacksnoten statt vager Wörter wie „kräftig“, „intensiv“ oder „Premium“.
  • Meist 100 % Arabica, auch wenn es Robusta in Specialty-Qualität („Fine Robusta“) gibt.
  • Verkauft von einer Rösterei, die dir sagen kann, wer den Kaffee angebaut hat.

Eine Punktzahl steht selten auf der Packung. Wenn sie dir wichtig ist, frag die Rösterei, viele geben gern Auskunft.

Braucht man besondere Geräte?

Nein. Specialty Coffee schmeckt aus jeder Zubereitung besser als Konsumkaffee, auch aus der French Press, dem Espressokocher oder dem Kaffeevollautomaten. Frisch gemahlene Bohnen und das richtige Verhältnis sind wichtiger als die Maschine.

Wo du Specialty Coffee findest

Cafendo ist ein Wegweiser zu unabhängigem Specialty Coffee: Du findest Kaffees kleiner Röstereien nach Herkunft, Röstung und Geschmack und kaufst im Shop der Rösterei. Cafendo bewertet Kaffees nicht selbst; die Röstereien beschreiben ihre Kaffees, große Supermarktmarken sind als Industriemarken gekennzeichnet. Gute Startpunkte: helle Röstungen, Kaffees aus Äthiopien oder Kenia oder Filterkaffee. Lieber erst probieren? Finde ein Specialty-Café in deiner Nähe.

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