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16. Juni 2022 ·

Kaffee aus Brasilien

Kaffee aus Brasilien

Brasilien ist seit 150 Jahren weltweit führend in der Kaffeeproduktion und im Kaffeeexport. Auf über 2,3 Millionen Hektar Anbaufläche wachsen verschiedene Arabica-Sorten und einige Robusta-Pflanzen. Brasilien ist nicht nur gemessen an der Kaffeeproduktion ein Riese, sondern auch an seiner Größe und Bevölkerungszahl.

Brasilien ist außerdem das größte und bevölkerungsreichste Land Südamerikas und hat über 200 Millionen Einwohner. Es grenzt an den Atlantischen Ozean und an alle südamerikanischen Länder außer Ecuador und Chile. Brasilien besteht aus insgesamt 26 Bundesstaaten, in 17 davon wird Kaffee angebaut. 

Die Hauptstadt Brasília liegt im Südosten des Landes auf einem zentralen Hochplateau und hat rund 3 Millionen Einwohner. Das Zentrum von Brasília gehört seit 1987 sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Während der mehr als drei Jahrhunderte dauernden Kolonialzeit kamen Einwanderer unterschiedlicher Herkunft nach Brasilien. Das erklärt die heutige ethnische Vielfalt des Landes.

Der Norden des Landes ist von den Regenwäldern des Amazonas-Tieflands geprägt, während im Süden Gebirge und Hochebenen vorherrschen. Die meisten großen Städte Brasiliens liegen nahe der Atlantikküste, wo ein großer Teil der Bevölkerung lebt. In dieser Region zwischen Rio de Janeiro, São Paulo und Belo Horizonte befindet sich auch das wichtigste Anbaugebiet für brasilianischen Kaffee, das sogenannte Ciclo do Café.

DIE GESCHICHTE DES BRASILIANISCHEN KAFFEES

Die Geschichte des brasilianischen Kaffees begann 1727, als ein Portugiese zum ersten Mal Kaffeesamen aus Äthiopien nach Brasilien schmuggelte. Zunächst wurde die Kaffeepflanze nur in einem Hausgarten angebaut, doch ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich der Kaffee zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor. 

SKLAVENARBEIT AUF BRASILIANISCHEN PLANTAGEN

Großgrundbesitzer begannen, riesige Kaffeeplantagen anzulegen und Kaffee industriell zu produzieren. Im 19. Jahrhundert brachten die Kaffee-Barone afrikanische Sklaven nach Brasilien und setzten sie auf den Plantagen zur Arbeit ein. Ausgebeutet wurden nicht nur die Menschen, sondern auch die Böden der Plantagen. 

Die Sklaverei wurde schließlich 1888 abgeschafft, doch viele afrikanische Arbeiter arbeiteten weiter auf den Plantagen, da sie nur wenige Alternativen hatten. In den folgenden Jahren förderte die Regierung den Kaffeeanbau massiv. Das katapultierte Brasilien schließlich an die Spitze der weltweiten Kaffeeproduktion.

KAFFEE ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR IN BRASILIEN

Mit dem Bau des Eisenbahnnetzes Anfang des 19. Jahrhunderts konnte Kaffee aus dem Landesinneren zu den Häfen transportiert und weltweit verkauft werden. Dadurch wurde Brasilien Anfang des 20. Jahrhunderts zum größten Kaffeeproduzenten und -exporteur der Welt. Bis 1989 wurden die Kaffeepreise durch ein Kaffeekartell stabil gehalten.

Seit 1990 unterliegen die Preise für Rohkaffee jedoch den Schwankungen der freien Marktwirtschaft, und der globale Kaffeemarkt wird vor allem von Großkonzernen beherrscht. Wegen der instabilen Preise und der Konkurrenz durch Großbetriebe fällt es vielen Kleinbauern schwer, sich auf dem Kaffeemarkt zu behaupten.

Die Unterstützung der kleinen brasilianischen Kaffeebauern ist besonders wichtig, denn anders als in afrikanischen Ländern arbeiten die Bauern in Brasilien selbstständiger und nicht immer in Kooperativen. Ganze 85 % der brasilianischen Kaffeefarmen werden von sogenannten „Small Holder Farmers“ betrieben, die weniger als 20 Hektar Land besitzen.

DIE KAFFEEANBAUGEBIETE BRASILIENS

Aufgrund der Größe Brasiliens und der unterschiedlichen Klimazonen und Bodenbedingungen ist brasilianischer Kaffee äußerst vielseitig. Robusta-Kaffee, der in Brasilien Cornillon genannt wird, wächst nur in einem kleinen Gebiet: an der Küste in Bahia und in der Amazonasregion Rondônia. Der größte Teil des brasilianischen Kaffees besteht hingegen aus Arabica-Sorten, die aus verschiedenen Anbaugebieten stammen.

CICLO DO CAFÉ – DAS KAFFEEDREIECK

Das brasilianische Kaffeedreieck, auch Ciclo do Café genannt, liegt nahe dem Atlantik zwischen Rio de Janeiro, São Paulo und Belo Horizonte. Diese Kaffees zeichnen sich durch ein besonderes Meeresaroma aus und sind besonders in Nordafrika, Osteuropa und dem Nahen Osten beliebt. 

DIE SAVANNEN ZENTRALBRASILIENS UND PARANÁ

Neben dem Kaffeedreieck zählen die Savannen Zentralbrasiliens und der Bundesstaat Paraná zu den größten Kaffeeanbaugebieten des Landes. In diesen beiden Gebieten und im Ciclo do Café werden zusammen rund 98 % des brasilianischen Kaffees produziert. In den Savannen des Landesinneren im Südosten Brasiliens, dem sogenannten Cerrado, wurde eine köstliche alte Arabica-Kaffeesorte, Bourbon Santos, wiederentdeckt. Sie hat ein mild-würziges Aroma mit einem Hauch Vanille.

DIE KAFFEEERNTE IN BRASILIEN

Der großflächige, professionelle Kaffeeanbau in Brasilien hat auch Schattenseiten: Monokulturen, ausgelaugte Böden und der Einsatz von Pestiziden sind die Folge. Wegen des enormen Wettbewerbs und der harten Preispolitik standen lange Zeit eher die Mengen als die Qualität im Mittelpunkt.

Inzwischen gibt es jedoch staatliche Vorschriften, nach denen ein bestimmter Anteil des Landes von Großgrundbesitzern als Mischkultur erhalten werden muss. Außerdem wird zunehmend auf die Bedürfnisse des Bodens geachtet, und brasilianische Bauern sind auch beim Einsatz von Düngemitteln vorsichtiger geworden.

DIE MECHANISCHE ERNTEMETHODE

Anders als in vielen anderen Kaffeeanbaugebieten wie Äthiopien, Kolumbien oder Guatemala wird in Brasilien nur selten von Hand geerntet. Stattdessen erfolgt die Ernte meist mechanisch oder halbmechanisch. Die Kaffeekirschen werden einfach von den Ästen der Bäume geschüttelt. Das geht schneller, doch da die Kaffeekirschen am selben Baum nicht gleichzeitig reifen, werden Kirschen in allen Reifestufen geerntet.

Nach der Ernte müssen die unreifen, grünen Kirschen mit zusätzlichen Maschinen von den reifen, roten Kirschen getrennt werden. Andernfalls sinkt die Kaffeequalität erheblich. Da diese Maschinen sehr teuer sind und nur auf ebenen Anbauflächen eingesetzt werden können, wird auf kleinen Farmen häufig halbmechanisch geerntet.

DIE HALBMECHANISCHE ERNTEMETHODE 

Bei der halbmechanischen Ernte werden die Bäume nur leicht geschüttelt, damit lediglich die reifen Kirschen zu Boden fallen. Anschließend werden die Kirschen von Hand nach Reifegrad sortiert. Nach der Ernte werden die Kaffeebohnen entweder aufbereitet und nass fermentiert oder sofort mehrere Tage in der Sonne getrocknet und anschließend häufig in Trocknungsmaschinen entfeuchtet.

KAFFEESORTEN IN BRASILIEN

Klassischer brasilianischer Kaffee schmeckt schokoladig und nussig. Das Spektrum reicht von Milchschokolade über Haselnuss bis hin zu Zartbitterschokolade. Grundsätzlich lässt sich brasilianischer Kaffee in zwei Kategorien einteilen:

Milds: Der brasilianische „Mild“-Kaffee wird aus Kaffeebohnen mit einheitlichem Reifegrad hergestellt, die sorgfältig aussortiert wurden. Die Bohnen werden nass aufbereitet – das heißt, sie werden gereinigt, mehrere Stunden in Tanks fermentiert und erst danach in der Sonne getrocknet. 

Brazils: Diese Kaffeesorte wird trocken aufbereitet und nicht fermentiert. Die Kaffeebohnen werden maschinell vorsortiert und sofort in der Sonne getrocknet. Dadurch kommen der kräftige Geschmack der Bohnen und der Koffeingehalt stärker zur Geltung. 

Heutzutage werden immer mehr hochwertige Specialty Coffees mit besonderen Aromen produziert. Diese Arabica-Sorten haben komplexe, fruchtige Aromen wie Aprikose, Traube oder Feige oder zeichnen sich durch Noten von reifem Pfirsich, Mango oder Kiwi aus. 

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