28. Februar 2022 · Von Darius Stan
Kaffee aus Vietnam

Vietnam, ein wunderschönes Land in Südostasien und zugleich das 15. bevölkerungsreichste Land der Welt, hat eine tiefe kulturelle Verbindung zum Kaffee, die vor etwa 170 Jahren begann. Seitdem ist es zum zweitgrößten Kaffeeexporteur der Welt geworden und hat außerdem seine ganz eigene Art entwickelt, dieses Getränk zu genießen.
Ein Blick zurück
Das ist zwar noch nicht abschließend geklärt, doch viele glauben, dass Kaffee in den 1850er-Jahren von französischen Missionaren nach Vietnam gebracht wurde. Danach pflanzte ein katholischer Priester im Norden des Landes den ersten Arabica-Baum. Obwohl die Bedingungen passend schienen, waren die Missionare der Meinung, das Klima im Landeszentrum sei besser geeignet. Daher begannen sie nach und nach, die Produktion in diese Region zu verlagern.
So richtig in Schwung kam alles, als Vietnam 1887 offiziell von Frankreich kolonisiert wurde. Jahre später wurden zwei weitere bekannte Sorten eingeführt: Liberica und Robusta. Das erwies sich als ausgezeichnete Entscheidung, denn Robusta ist zur bekanntesten Bohne des Landes geworden und macht 97 % der gesamten Produktion aus.
Kaffeekultur in Vietnam
Eine der traditionellen Arten, Kaffee in Vietnam zu trinken, ist ca phe sua da. Dabei werden Kaffee und Kondensmilch kombiniert – Letztere ist teilweise eine französische Erfindung. Wir alle wissen, wie gern die Franzosen ihren Café au lait trinken, doch frische Milch war in Vietnam nirgends zu finden. Auch der Import war keine Lösung, denn die Milch wäre vor ihrer Ankunft verdorben. So blieb nur Kondensmilch. Dieses anfängliche Problem erwies sich als Glücksfall und brachte ein süßes, sanftes Getränk hervor.
Das einzige Hindernis war, dass sich die Vietnamesen die von den Franzosen eingeführten Cafés wegen der hohen Preise kaum leisten konnten. Das änderte sich nach dem Ersten Weltkrieg, als Kaffee auch für sie erschwinglich wurde und sie eigene Cafés eröffneten. Ihr Ansatz war eindeutig anders: Sie bevorzugten einen schlichteren, entspannten Stil, während die französischen Cafés voller Details waren.
Während des Vietnamkriegs und danach geriet die Branche ins Stocken, als die Landwirtschaft kollektiviert und private Unternehmen verboten wurden. Zum Glück folgte in den 1980er-Jahren eine Reihe wirtschaftlicher Reformen, bekannt als „Doi Moi“. Dadurch wurde private Landwirtschaft wieder erlaubt, und Mitte der 1990er-Jahre nahm Vietnam stolz seinen Platz als zweitgrößter Produzent ein. Das trägt auch erheblich zur lokalen Wirtschaft bei: Die Kaffeeindustrie sichert Millionen von Arbeitsplätzen, ganz abgesehen von den vielen Beschäftigten in den Cafés, die du überall findest.
Mit der Zeit entwickelten die Vietnamesen ihre ganz eigene Café-Kultur. Zunächst einmal gibt es dort nicht das Konzept „Kaffee zum Mitnehmen“. Kaffee ist für sie eine Möglichkeit, sich zu entspannen und sich mit Freunden und lieben Menschen auszutauschen. Da können wir uns vielleicht noch etwas abschauen!
Das vietnamesische Rezept
Wir haben zu Beginn ca phe sua da erwähnt, doch ehrlich gesagt ist die Zubereitung etwas komplexer, als es zunächst klang. Der bittere Robusta wird in einem Phin gebrüht, einem kleinen Filter, der auf einem kleinen Glas mit ein oder zwei Esslöffeln Kondensmilch steht. Anschließend werden die Zutaten verrührt und die Mischung in ein anderes, höheres Glas mit Eis gegossen. Vielleicht am wichtigsten ist aber, wie du dieses Getränk genießt. Das ist kein Kaffee für den schnellen Weg ins Büro, sondern einer zum Entspannen und Genießen – mit einem Strohhalm. Das Getränk wirkt vielleicht harmlos, aber Vorsicht! Mehr als ein Glas auf einmal kann zu viel sein und Herzklopfen verursachen.
Ein weiteres Getränk, über das wir noch nicht gesprochen haben, ist ca phe trung, also Eier-Kaffee. Klingt interessant, oder? Man findet ihn vor allem in Hanoi. Ihn als Getränk zu bezeichnen, ist allerdings nicht ganz einfach, denn er ähnelt eher einem Dessert. Er wird heiß getrunken und besteht aus Kaffee und aufgeschlagenem Eigelb. Die Idee dazu entstand, als Kondensmilch einmal knapp war und ersetzt werden sollte. Der Geschmack erinnert an flüssiges Tiramisu – unbedingt probieren.
Zu den weiteren vietnamesischen Kaffeevarianten gehören Kaffee mit Joghurt, Kokosnuss oder sogar Avocado. Außerdem gibt es dort nach koreanischem Vorbild Boba Tea sowie Kaffee mit Gelee oder Tapioka-Perlen.
Es ist klar: Vietnam ist nicht ohne Grund ein Gigant dieser Branche. Das Land hat seinen eigenen Geist bewahrt und seine besondere Herangehensweise deutlich gemacht, sobald sich die Gelegenheit dazu bot. Auch als Lieferant für viele Länder weiß es, sich bemerkbar zu machen und setzt dabei konsequent auf Innovation. Wenn du jemals die Gelegenheit hast, diesen Ort zu besuchen, empfehlen wir dir wärmstens, sie zu nutzen und mehr als nur den lokalen Kaffee kennenzulernen. Wir sind überzeugt, dass es sich lohnt.
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